Fraunhofer-Forschungsprojekt „FlexBIT“

Digitale Lösungen für industrielle Energiegemeinschaften

23.06.2026
von Redaktion MY FACTORY

Mit dem neuen § 42c Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) ist Energy Sharing in Deutschland ab dem 1. Juni 2026 operativ anwendbar. Damit entsteht erstmals ein regulatorischer Rahmen, der die gemeinschaftliche Nutzung erneuerbarer Energien auch für lokale und industrielle Energiegemeinschaften ermöglicht. Das Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF entwickelt im Forschungsprojekt „FlexBIT“ konkrete digitale Lösungen, um diese neuen Möglichkeiten für die automatisierte Manufaktur von Morgen in die industrielle Praxis zu überführen.

Ziel des Projekts ist der Aufbau einer modularen digitalen Plattform, mit der industrielle Energieflüsse und Flexibilitäten innerhalb lokaler Energiegemeinschaften intelligent gesteuert werden können. Damit adressiert FlexBIT zugleich die Zielstellung der Automatisierten Manufaktur, indem Energie- und Flexibilitätsmanagement als digitaler Bestandteil der Produktionsumgebung operationalisiert wird. Im Fokus steht dabei die Industrial Energy Community in Magdeburg mit den Projektpartnern aRTE Möbel GmbH und Aue Bestattungen GmbH. Beide Unternehmen erzeugen Strom über Photovoltaikanlagen und sollen künftig von neuen Energy-Sharing-Modellen profitieren.

Bei der aRTE Möbel GmbH werden insbesondere Produktionsprozesse, Druckluftkompressoren, Batteriespeicher sowie Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in das Energiemanagement integriert. Bei Aue Bestattungen GmbH stehen Batteriespeicher, Kälteanlagen und Ladepunkte für Elektrofahrzeuge im Mittelpunkt der digitalen Steuerung innerhalb der Energiegemeinschaft. Ziel ist es, erneuerbare Energien effizienter lokal zu nutzen und industrielle Flexibilitäten intelligent einzubinden.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Entwicklung blockchain-basierter „Digital-Trust“-Lösungen durch das Fraunhofer IFF. Diese Technologien sollen Energieflüsse transparent und manipulationssicher dokumentieren, die Nachvollziehbarkeit energetischer Nachhaltigkeit verbessern und das Vertrauen zwischen Produzenten und Konsumenten stärken.

„Mit FlexBIT zeigen wir, wie industrielle Unternehmen aktiv zur Energiewende beitragen und gleichzeitig wirtschaftliche Potenziale neuer Energy-Sharing-Modelle erschließen können“, erklärt Dr. Pio Alessandro Lombardi, wissenschaftlicher Koordinator des Projekts am Fraunhofer IFF. „Die neue Gesetzgebung eröffnet hierfür erstmals konkrete Handlungsmöglichkeiten in Deutschland.“

Das Projekt verbindet zentrale Zukunftsthemen wie Energiewende, industrielle Dekarbonisierung, Digitalisierung des Energiesystems sowie die lokale Nutzung erneuerbarer Energien. Als einer der frühen praktischen Demonstratoren der neuen regulatorischen Möglichkeiten besitzt FlexBIT zugleich hohe Relevanz für den Innovationsstandort Magdeburg und das Land Sachsen-Anhalt. Die entwickelten digitalen Steuerungs- und Vertrauensmechanismen bilden zudem das Ökosystem für weitere Funktionen der Zielstellung einer „Automatisierten Manufaktur“ des Fraunhofer IFF.

Das Forschungsprojekt wurde von CETPartnership finanziert, der Clean Energy Transition Partnership im Rahmen der gemeinsamen Ausschreibung für Forschungsvorschläge 2023, die von der Europäischen Kommission (GA N°101069750) mitfinanziert wurde, sowie von den auf Funding Agencies and Call Modules | CETPartnership aufgeführten Förderorganisationen. Die Laufzeit beträgt 30 Monate.

www.iff.fraunhofer.de/de/geschaeftsbereiche/energiesysteme-infrastrukturen/flexbit.html

Text- und Bildquelle: Fraunhofer IFF

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