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Wettbewerbsfähigkeit der Industrie im Blick

Prof. Jürgen Fleischer neuer Präsident der WGP

21.01.2026
von Redaktion MY FACTORY

Prof. Jürgen Fleischer (links imd Bild), Leiter des Instituts für Produktionstechnik (wbk) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), ist der neue Präsident der WGP (Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik). Sein Ziel für die zweijährige Amtszeit ist es, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der WGP die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen produzierenden Industrie zu stärken: „Mit unserem Domänenwissen haben wir ein Alleinstellungsmerkmal und mit diesem Pfund sollten wir angesichts des weltweiten Konkurrenzdrucks auch wuchern.“

Fleischer, der zum 1. Januar 2026 Prof. Michael Zäh (rechts im Bild) vom iwb München turnusgemäß abgelöst hat, hat vor seiner Tätigkeit an der Universität Karlsruhe elf Jahre lang in der Industrie gearbeitet. „Wir verfügen nicht nur über geballtes wissenschaftliches Know-how über das gesamte Spektrum der Fertigungstechnik, sondern bringen auch viel Industrieerfahrung mit ein. Wir kennen die Herausforderungen produzierender Unternehmen, und wir können und wollen ihnen helfen.“

In der WGP haben sich über 70 führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammengeschlossen. „Produzierende Unternehmen können sich das einmalige Know-how der WGP zu allen Bereichen der Produktionstechnik – bis hin zu Zukunftsthemen wie Quantentechnologien – zunutze machen und gemeinsam mit uns passgenaue Lösungen für ihre spezifischen Anliegen entwickeln“, berichtet Fleischer. Im Verbund können zukunftsfähige Technologien entwickelt und wettbewerbsfähige Produktionssysteme konzipiert werden. „Das tiefe Verständnis von Fertigungssystemen in Deutschland und die Fähigkeit, innovative Entwicklungen für den Weltmarkt bereitzustellen, verschafft uns einen Vorsprung, den wir mit Blick auf die sinkende Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie dringlicher denn je nutzen müssen“, mahnt der neue WGP-Präsident. Die Herausforderungen der neuen Technologien sind gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) wichtig, um sich zukunftsfähig zu machen. „Die WGP-Institute bieten ihnen hierfür hervorragende Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.“

WGP arbeitet an Produktion von morgen

Die insgesamt 46 international renommierten Universitäts- und Fraunhofer-Institute der Mitglieder verfügen in ihren jeweiligen Themenfeldern über Labore auf höchstem technischem Stand, die als reale Experimentierfelder genutzt werden können. So können neue Ansätze etwa zu Digitalisierung, Automatisierung oder Nachhaltigkeit erarbeitet werden. Die Karlsruher beispielsweise entwickelten für einen Maschinen- und Anlagenbauer einen 3D-Drucker für Faserverbundbauteile. Eine andere Firma unterstützten sie bei der Einführung von KI-gestützter optischer Qualitätskontrolle von im Sekundentakt gestanzten Biegeteilen. Aber auch mit Konsortien größerer Unternehmen arbeiten die Forschenden zusammen und schufen beispielsweise die weltweit erste hochflexible Produktionsanlage für Batteriezellen (AgiloBat).

Insbesondere Künstliche Intelligenz wird die Produktion radikal verändern. „Doch gerade kleine und mittelständische Unternehmen – das Rückgrat unseres Wohlstands – haben oft nicht die notwendigen personellen und finanziellen Mittel für die Transformation“, gibt der Karlsruher Wissenschaftler zu bedenken. Die WGP hat daher das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt ProKI im Januar 2025 unter ihrem Dach verstetigt und bietet seither Workshops, Beratungen, Seminare und Demonstratoren an – eine niedrigschwellige Unterstützung, die allen zugutekommt.

Von den Chinesen Geschwindigkeit lernen

Fleischer ist seit über zehn Jahren auch Advisory Professor an der Tongji Universität in Shanghai, wo er ein Technologiezentrum für „Advanced Manufacturing“ aufgebaut hat. „China ist und bleibt ein wichtiger Markt für uns“, betont er. „Früher war ich unter anderem dort, um deutsche Unternehmen zu unterstützen. Heute bin ich dort, um von den Chinesen zu lernen, wie man in einer derart erstaunlichen Geschwindigkeit und Effizienz den Maschinen- und Anlagenbau vorantreiben kann. Das müssen wir uns abgucken, wenn wir nicht auf dem Weltmarkt ins Hintertreffen geraten wollen.“

Ein schnellerer Transfer innovativer Lösungen in die unternehmerische Praxis ist seit jeher ein Anliegen der Professorinnen und Professoren, zumal sich die neuen Technologien rasant weiterentwickeln. So hat Fleischer vor zehn Jahren die WGP-Produktionsakademie ins Leben gerufen, ein modulares Weiterbildungsangebot für Praktiker, die sich auf den neuesten Stand der Technik bringen wollen. Die Module können individuell zu einem maßgeschneiderten Angebot zusammengestellt werden. „Produzierende Unternehmen, die ganz vorne mithalten wollen, müssen innovative Fertigungsverfahren nutzen, um die immensen Potenziale der neuen Technologien zu nutzen“, so Fleischer. „Wer sich heute nicht weiterentwickelt, ist morgen nicht mehr wettbewerbsfähig.“

www.wgp.de

Text- und Bildquelle: WGP

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