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Nationale Strategie

China setzt auf KI-Robotik

05.05.2026
von Redaktion MY FACTORY

China hat mit seinem 15. Fünfjahresplan (2026–2030) die Robotik in das Zentrum seiner neuen Industrie-Strategie gestellt. Ziel soll sein, die KI-Forschung auf physische Anwendungen auszurichten und die Robotik dabei als Haupttreiber des Wirtschaftswachstums einzusetzen.

Die Strategie ist ein weiterer Schritt auf dem ambitionierten Automatisierungspfad des Landes: Chinas Fertigungsindustrie verfügt bereits heute über einen operativen Bestand von rund 2 Millionen Industrie-Robotern – etwa 4,5-mal mehr als das weltweit an zweiter Stelle rangierende Japan. 54 % der jährlich rund um den Globus installierten Industrie-Roboter kommen in China zum Einsatz. Das sind Ergebnisse aus dem Jahresbericht „World Robotics 2025“ der International Federation of Robotics (IFR).

„Der neue Fünfjahresplan der Volksrepublik China dient als wichtigstes Rahmendokument, das die übergeordnete Ausrichtung für alle weiteren staatlichen Maßnahmen vorgibt“, sagt Takayuki Ito, Präsident der International Federation of Robotics.

„Tausende untergeordneter, sektoraler und regionaler Pläne müssen nun auf die neuen Ziele abgestimmt werden. Mit diesem Rahmenplan verlagert China seinen Schwerpunkt von der traditionellen industriellen Automatisierung hin zu hochwertiger, intelligenter Robotik, die mit künstlicher Intelligenz kombiniert wird.“

Show der humanoiden Roboter

Chinas neuer Fünfjahresplan sieht den Hauptnutzen von KI in der praktischen Anwendung in Wirtschaft und Industrie. Um seine Kompetenz und globale Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der „embodied intelligence“ zu veranschaulichen, präsentiert das Land humanoide Roboter, die tanzen oder laufen. Dies wurde kürzlich bei den im Fernsehen übertragenen Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest und beim Humanoiden-Roboter-Halbmarathon in Peking weltweit gezeigt.

Trotz dieser beeindruckenden öffentlichen Präsentationen bei inszenierten Veranstaltungen beschränken sich die tatsächlichen Fähigkeiten von humanoiden Robotern in realen Produktionsszenarien derzeit noch auf Demonstrationsmodelle oder Pilotprojekte.

Ebenfalls wichtig zu wissen: Entgegen den Erwartungen wird die humanoide Plattform selbst und die darin genutzte künstliche Intelligenz nicht unbedingt gleichzeitig und von denselben Marktteilnehmern entwickelt.

Humanoide Roboter vs. Industrieroboter

Der Vergleich mit traditionellen Industrie-Robotern verdeutlicht grundlegende Nachteile, die den Einsatz humanoider Roboter einschränken. Kritiker verweisen hier auf den Grundsatz „Form folgt Funktion“: Der menschliche Körper ist aus dieser Sicht für bestimmte Aufgaben nicht gut geeignet.

Klassische Industrie-Roboter verfügen im Vergleich zu den Humanoiden in der Regel über weniger Gelenke, die für eine bestimmte Aufgabe entwickelt sind. Dies führt zu einfacheren Steuerungskonzepten, die schneller und zuverlässiger arbeiten als bei humanoiden Robotern. Aus diesem Grund dürften Industrie-Roboter auch weiterhin das Rückgrat von Fertigungsumgebungen bilden, in denen es auf hohe Geschwindigkeit und Präzision ankommt.

In der industriellen Fertigung sind die Aufgaben repetitiv und erfordern millimetergenaue Präzision bei hohen Geschwindigkeiten. Das ist eine Stärke von Industrie-Robotern – sie führen hochspezialisierte Bewegungen schnell und konsistent aus. Wenn die Aufgabe extreme Spezialisierung erfordert, übertreffen Industrie-Roboter ihre humanoiden Pendants in der Regel.

Humanoide Roboter bieten dagegen einen allgemeineren Ansatz. Sie verbinden Mobilität mit menschenähnlicher Interaktion, was sich für Dienstleistungsaufgaben eignet. In solchen Anwendungsbereichen überflügeln Humanoide möglicherweise herkömmliche Maschinen.

Die breite Markteinführung von universellen humanoiden Helfern in Fabriken oder in Privathaushalten ist jedoch in naher und mittelfristiger Zukunft nicht zu erwarten. Der 15. Fünfjahresplan sieht die Kommerzialisierung humanoider Roboter entsprechend eher gegen Ende des Planzeitraums vor. Eine breite Einführung von KI in der traditionellen Industrie-Robotik wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren erwartet.

Chinas Binnenmarkt-Potenziale

Der große Binnenmarkt in China bietet ein enormes Potenzial für die Umsetzung des 15. Fünfjahresplans in verschiedenen Branchen – mit wachsenden Marktanteilen einheimischer Hersteller: So stieg der Anteil chinesischer Anbieter an den Installationen von Industrie-Robotern von 30 % im Jahr 2020 auf 57 % im Jahr 2024.

Mit Blick auf die Branchen werden beispielsweise 64 % der Industrie-Roboter in der weltweiten Elektronikindustrie in China installiert. Chinesische Hersteller beliefern 59 % der heimischen Anwender in dieser Branche. In der Metall- und Maschinenbauindustrie erreichten chinesische Roboterlieferanten sogar einen Inlandsmarktanteil von 85 %.

Text- und Bildquelle: IFR/ Hangzhou Robotphoenix Industrial Robotics

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