Der Maschinen- und Anlagenbau hat auf der Hannover Messe 2026 gezeigt, wie die Produktion von morgen aussehen wird. Künstliche Intelligenz und humanoide Roboter mit ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten prägten das Geschehen in den Hallen. Der Beitrag des Maschinenbaus zur Verteidigungsfähigkeit Europa rückte erstmals in den Fokus. Brasilien zeigte sich als dynamisches Partnerland. Und über allem stand der Appell an die Politik: Macht mit den Reformen zur Stärkung der Industriestandorte Deutschland und Europa endlich ernst.
„Tage der Zuversicht“ sollte die diesjährige Hannover Messe werden, hatte Bundeskanzler Friedrich Merz im Beisein von Brasiliens Staatschef Lula da Silva zum Auftakt gefordert. Diesen Appell setzen die Aussteller in den Hallen mit einer Vielzahl von Innovationen und guten Gesprächen in die Tat um.
„Die Hannover Messe und die Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau haben in diesem Jahr eindrucksvoll gezeigt, dass sie die Herausforderungen einer von multiplen Krisen geprägten Welt annehmen. Die Digitalisierung unserer Industrie schreitet mit hohem Tempo voran; KI und humanoide Robotik waren zu Recht die prägenden Themen dieser Messe“, bilanziert VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.
Doch die Innovationskraft der Unternehmen wird allein nicht reichen. „Der industrielle Mittelstand will und kann Technologien liefern, die uns auch künftig international wettbewerbsfähig halten. Dafür muss auch die Politik in Berlin und Brüssel dringend ihren Beitrag leisten: Wir brauchen die versprochenen tiefgreifenden Standortreformen – jetzt. Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche haben hier auf der Messe entsprechende Ankündigungen gemacht, daran werden sie gemessen“, ergänzte Brodtmann.
Direkte Gespräche und Rundgänge mit der Spitzenpolitik
Auch in diesem Jahr waren zahlreiche hochrangige Politikerinnen und Politiker zur Hannover Messe gereist, um sich über die wichtigsten Technologietrends zu informieren. Der VDMA nutzte die Gelegenheit, um die Forderungen des Maschinenbaus in direkten Gesprächen zu platzieren.
So war unter anderem EU-Kommissar Stéphane Séjourné zu Gast in dem vom VDMA mit veranstalteten Europapolitischem Empfang. Neben dem traditionellen Kanzlerrundgang zum Messeauftakt begleitete der VDMA auch die Rundgänge von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, Digitalminister Karsten Wildberger, den Staatssekretären Stefan Rouenhoff und Gitta Connemann, der Grünen-Parteivorsitzenden Franziska Brantner, dem designierten baden-württembergischen Landeschef Cem Özdemir, dem niedersächsischen Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne sowie Abgeordnetengruppen von CDU, SPD und Grünen. Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau standen bei diesen Rundgängen ebenfalls im Mittelpunkt des politischen Interesses.
Verteidigung und humanoide Roboter prägen die Messebilder
Erstmals zeigte der Maschinenbau seine Kompetenzen auf der Hannover Messe auch im Geschäftsfeld Defence, das großes Publikumsinteresse erzeugte. „Unsere Industrie macht es erst möglich, die Produktion von Verteidigungsgütern so zu skalieren, dass ein rascher und wirksamer Aufbau der europäischen Sicherheit möglich wird“, betont der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer Hartmut Rauen.
Mit Hilfe des Maschinenbaus kann zum einen die Stückzahl der benötigten Rüstungsgüter effizient und rasch erhöht werden, zum anderen liefert die Branche auch selbst Komponenten in vielfacher Ausprägung in den Verteidigungssektor. Dazu setzte auf der Messe insbesondere die Antriebs- und Fluidtechnik klare Impulse im Themenfeld Defence.
Zugleich zeigte sich die Antriebs- und Fluidtechnik stark in den Bereichen Industrie 4.0 und Digitalisierung (Fluid 4.0) sowie Robotik.
„Humanoide Roboter schreiten in die Welt in alle Bereiche: von der Pflege über Dienstleistungen im Haushalt bis hin zu industriellen Anwendungen“, erläutert Rauen. „Sie sind zugleich stärkster Arm in der Weiterentwicklung der ,embodied Artificial Intelligence‘ und verkörpern damit eine neue Maschinengattung, die die Welt im wahrsten Sinne des Wortes begreift und künstliche Intelligenz dynamisch weiterentwickelt. Humanoide Roboter werden in Quantität und Qualität zur entscheidenden Schlüsseltechnologie. Und die Komponenten und Systeme der Antriebstechnik werden für diese Entwicklung entscheidend sein – dies zeigt auch der renommierte Hermes Award für das VDMA-Mitglied Schaeffler“, resümiert der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer.
Digitalisierung und Automatisierung wachsen zusammen
Zugleich hat die Hannover Messe in diesem Jahr eindrucksvoll gezeigt, dass Digitalisierung und Automatisierung im Maschinen- und Anlagenbau weiter zusammenwachsen und zunehmend als integriertes Ökosystem gedacht werden.
Der Blick in die Messehallen hat gezeigt, dass Deutschland aufgrund des traditionellen Domainwissens in Kombination mit KI sehr gut aufgestellt ist und in der angewandten industriellen KI als Vorreiter gilt. Im Mittelpunkt standen neben künstlicher Intelligenz die vernetzte Produktion sowie industrielle Softwarelösungen, die den Weg in die datengetriebene Wertschöpfung ebnen.
„Auffällig war die starke Praxisorientierung. Viele Aussteller zeigten konkrete Anwendungen und skalierbare Lösungen statt reiner Konzeptansätze“, sagt Prof. Claus Oetter, Geschäftsführer VDMA Software und Digitalisierung sowie Leiter der Abteilung Informatik.
„Die stärkere Integration der ehemaligen ,Digital Ecosystems‘ in die Industriehallen der Hannover Messe hat die Nähe zur realen Produktion und Anwendung sichtbar erhöht.“ Damit wird Digitalisierung selbstverständlicher Bestandteil industrieller Prozesse und Geschäftsmodelle. Dies wird von den Unternehmen auch so gelebt, wie die neue VDMA-Umfrage zur Digitalisierung im Maschinen- und Anlagenbau zeigt.
Umsetzung von Interoperabilität weit vorangeschritten
Am Stand von umati (universal machine technology interface) wurde sichtbar, wie weit die Industrie bei der Umsetzung echter Interoperabilität bereits vorangekommen ist. Die verschiedenen Demonstratoren zeigten anschaulich, wie OPC UA Companion Specifications herstellerübergreifend funktionieren und Daten ohne Reibungsverluste fließen.
Besonders große Aufmerksamkeit erhielt die gemeinsam mit der GIZ Brasilien präsentierte Data Space Demo, an der auch Henrique Miguel, Staatssekretär im brasilianischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation (MCTI), teilnahm.
Ein weiteres Highlight war der neue KI Demonstrator, der generative Modelle lokal ohne Cloud Verbindung ausführt und mithilfe interoperabler Standards wie OPC UA Anwendungen in Software Engineering, Datenanalyse und Mensch Maschine Interaktion ermöglicht. Das starke Besucherinteresse machte deutlich, dass interoperable Datenstrukturen zu den wirtschaftlich entscheidenden Zukunftsthemen gehören – insbesondere da KI, Energie Monitoring und digitale Services auf stabile und standardisierte Daten angewiesen sind.
Elektrische Automation und Wireless Arena ziehen Fachpublikum an
Der Stand des VDMA Elektrische Automation, erstmals zusammen mit Antriebs- und Fluidtechnik in einer Halle, wurde intensiv für den Austausch zwischen VDMA-Experten und Mitgliedsunternehmen genutzt.
In den Gesprächen stand insbesondere der Cyber Resilience Act (CRA) im Vordergrund – hier unterstützt der VDMA seine Mitgliedsunternehmen bei der Umsetzung unter anderem durch fachliche, branchenübergreifende Arbeitskreise.
Der WCM Stand auf der 5G and Industrial Wireless Arena adressierte ein breites, fachlich anspruchsvolles Besucherspektrum mit konkreten Fragestellungen zu geeigneten drahtlosen Technologien für unterschiedliche industrielle Einsatzszenarien. Die Gespräche zeigten deutlich, dass belastbare Technologieentscheidungen eine neutrale, anwendungsorientierte und technologieoffene Einordnung industrieller Funklösungen erfordern.
Energie und Infrastruktur sind gefragte Themen
Auch in diesem Jahr bildeten die Themen Energie und Energieinfrastruktur einen Schwerpunkt der Messe. Gezeigt wurden neue Lösungen für Energieeffizienz und Netzausbau, die den Weg in eine klimaneutrale Industrie ebnen.
„Energie- und Industrietransformation waren für die Besucherinnen und Besucher der Hannover Messe hochaktuelle Themen. Entsprechend groß war das Interesse an unseren Veranstaltungen zu Großwärmepumpen- und Speichertechnologien, Brennstoffzellen, industriellen Derivaten (zum Beispiel Wasserstoff und Carbon Capture) sowie Versorgungssicherheit. Beim Networking Lunch bot sich zudem viel Raum für einen offenen und intensiven Austausch zu technologischen, energiepolitischen und regulatorischen Fragestellungen“, resümiert Gerd Krieger, stellvertretender Geschäftsführer VDMA Power Systems.
Text- und Bildquelle: VDMA / Deutsche Messe






