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Kritische Rohstoffe

Recycling sichert europäische Wolframversorgung

02.06.2026
von Redaktion MY FACTORY

Die Sicherung der Wolframversorgung ist zu einer zentralen Herausforderung für die europäische Metallbearbeitungsindustrie geworden. Dabei ist die Rückführung von Hartmetall in den europäischen Kreislauf ein zentraler Hebel für Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Die European Cutting Tools Association (ECTA) fordert ein abgestimmtes europäisches Vorgehen zur Sicherung der Wolframverfügbarkeit.

China kontrolliert weiterhin mehr als 80 Prozent der weltweiten Wolframförderung und -aufbereitung und setzt Exportbeschränkungen zunehmend als industriepolitisches Instrument ein. Die europäische Industrie steht damit nicht nur unter massivem Kostendruck, sondern sieht sich zunehmend mit Unsicherheiten bei der Verfügbarkeit dieses kritischen Rohstoffs konfrontiert.

Koordiniertes Vorgehen entlang der Wertschöpfungskette

Zur Stärkung der europäischen Resilienz fordert die ECTA ein abgestimmtes Vorgehen von Industrie und Politik. Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette müssen sicherstellen, dass wolframhaltiger Werkzeugschrott konsequent in europäische Recyclingkreisläufe zurückgeführt werden, um diesen strategischen Rohstoff im europäischen Wirtschaftsraum zu halten. Gleichzeitig müssen Investitionen in Recycling- und Aufbereitungskapazitäten ausgeweitet werden, um zusätzliche Nachfrage zu bedienen und die verfügbaren Kapazitäten zu erhöhen.

Recyclingsysteme unter wachsendem Druck

Rund 50 Prozent des in Europa eingesetzten Hartmetalls stammen bereits aus Recyclingprozessen. Dennoch geraten die bestehenden Systeme zunehmend an ihre Grenzen: Die europäischen Aufbereitungskapazitäten sind nahezu ausgeschöpft, während die Nachfrage nach Hartmetallschrott weltweit weiter steigt. Selbst eine leistungsfähige Kreislaufwirtschaft kann den Bedarf Europas daher nicht vollständig decken. Ergänzend sind weitere Maßnahmen erforderlich, darunter der Ausbau zusätzlicher primärer Wolframquellen, um Abhängigkeiten zu reduzieren und die Versorgung breiter aufzustellen.

Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen notwendig

Dies muss durch wettbewerbsfähige Energiepreise sowie durch weniger komplexe und europaweit einheitlich ausgestaltete regulatorische Rahmenbedingungen ergänzt werden. Nur so lassen sich Investitionen fördern und effiziente Recyclingprozesse im industriellen Maßstab ermöglichen.

Derzeit begrenzen komplexe Vorgaben und uneinheitliche Auslegungen in der Praxis die Nutzung vorhandener Recyclingpotenziale – etwa bei Genehmigungen, Einstufung und Weiterverarbeitung. „So ist es beispielsweise nicht gerechtfertigt, hochwertigen Hartmetallschrott gleich zu behandeln wie öl- und kühlmittelbelastete Schlämme“, so Federico Costa, Präsident der European Cutting Tools Association. „Diese Stoffströme unterscheiden sich deutlich in ihren Eigenschaften und Risikoprofilen und erfordern eine differenzierte Behandlung.“

Während belastete Schlämme spezifische Anforderungen zum Schutz von Umwelt und Gesundheit erfordern, stellt Hartmetallschrott einen wertvollen Rohstoff dar, der sicher und effizient in den industriellen Kreislauf zurückgeführt werden kann.

Gemeinsame Verantwortung von Industrie und Politik

Es braucht gezieltes Handeln, um zu verhindern, dass überkomplexe Regelungen vorhandene Recyclingpotenziale ungenutzt lassen – während weiterhin erhebliche Mengen an Hartmetallschrott Europa verlassen und die Versorgung zusätzlich unter Druck gerät. Die Sicherung der Wolframversorgung ist daher eine gemeinsame Aufgabe von Industrie und politischen Entscheidungsträgern.

Die European Cutting Tools Association (ECTA) ist der europäische Verband der Hersteller von Zerspanungswerkzeugen und Spanntechnik. Die ECTA organisiert regelmäßig alle drei Jahre Weltkonferenzen sowie jährliche europäische Konferenzen und Branchenveranstaltungen an wechselnden Standorten.

 

Text: ECTA

Bild: Unkas Photo_stock adobe.com

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